Ein wilder Ritt über die Alpen.

Beethovens 1. Sinfonie mit dem Orchester Telfs.

Wenn Beethoven anwesend gewesen wäre, bei unserem letzten Konzert, ich bin mir sicher, es hätte ihm gefallen, denn die Aufführung seiner 1. Sinfonie  war ein wilder, schöner Ritt über die Alpen mit einer spannenden Verschnaufpause im 3. Satz.

Aber langsam! Von Anfang an.

Nun ist es schon ein Jahr her, dass ich mich auf dieser Homepage umgesehen und dann ein Mail geschrieben habe mit der Frage, wie das denn sei, ob man beim Orchester Telfs noch Geigen suche. Stefan Laube hat mir geantwortet, dass ich doch einfach mal bei den Proben im Herbst vorbeischauen solle, Geigen würden immer gebraucht.

Das tat ich dann und war etwas aufgeregt, hatte ich doch schon lange nicht mehr in einem Orchester mitgespielt.

Von der ersten Probe an war ich mir sicher: da bin ich richtig, da geht es um die Freude an der Musik und ums Musizieren! Gleich stellt sich das alte vertraute Gefühl ein, Teil zu sein eines Klangkörpers und darin getrost aufzugehen zu können. Ein schönes Gefühl!

Ein Konzert im Schatten des Abschieds

Bald nach dem Winterkonzert teilte uns Stefan mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Orchesters aufgeben müsse und das Konzert im Herbst sein letztes sei. Das war noch bevor er geeignete Literatur für das Konzert ausgesucht hatte und so probierten wir herum an diesem und jenem, nichts wollte so recht passen, und alles war überschattet von Stefans Abgang, dem das Orchester bange entgegenschaute. Manche von uns konnten es einfach nicht glauben, dass es wirklich der feste Entschluss unseres musikalischen Leiters sei, endgültig aufzuhören. In den wenigen Zwischengesprächen vor oder nach den Proben (Stefan macht nur in besonders langen Proben eine Pause) äußerten viele ihr Bedauern über die anstehenden Veränderungen und darüber vergaßen wir fast, dass wir ja ein Konzert planten und immer noch kein Programm festgelegt war.

Beethoven? Beethoven!

Schließlich legte Stefan uns die 1. Sinfonie von Ludwig van Beethoven vor. Ein Raunen ging durch die Pulte. Das war schon was! Beethoven! „Wir können nicht immer nur Barock spielen!“ konterte Stefan auf Einwände, dass dieses Programm schon etwas schwer sei. „Ihr werdet sehen, das schaffen wir!“ Damit war die Diskussion auch schon zu Ende und wir legten los. Bereits nach dem Anspielen des ersten Satzes waren wir gefangen von der herrlichen Musik. Am Anfang war es nur zu erahnen, wie es einmal klingen könnte und Stefan legte rasante Tempi vor – unter uns gesagt: ich denke, das war seine Taktik, um uns zum Üben zu „überreden“.

Na, das taten wir dann auch. Es ging ja schließlich auch darum, das letzte Konzert unseres lieben Dirigenten zu einem würdigen Abschiedskonzert zu machen!

Bald war auch das gesamte Programm gefunden: die Ouvertüre zur romantischen Oper Peter Schmoll von Carl Maria von Weber sowie Beethovens Romanzen in G-Dur op. 40 und in F-Dur op. 50 für Violine und Orchester mit dem Solisten Toshio Oishi.

Die Proben waren intensiv und fanden in den verschiedenen Formationen statt. Jede Stimmgruppe gab sich große Mühe, das für LaienmusikerInnen anspruchsvolle Programm zu bewältigen.

Der Geist in der Musik

Immer wieder, wenn Beethovens 1. aufgelegt wurde, war er spürbar, der Geist, der in dieser Musik wohnt und wir ließen uns von ihm mitreißen. Schritt für Schritt arbeitete Stefan mit uns sein Verständnis dieser Sinfonie heraus und wenn eine Passage gut gelungen war, freuten wir uns alle.

Ausgerechnet die letzten beiden -  langen - Proben, bei denen das gesamte Orchester inklusive aller Bläser dabei war, fielen in eine Hitzewelle, die uns saunaähnliche Temperaturen im Probenlokal bescherte und so war kollektives Schwitzen angesagt. Doch mit dem Ergebnis unserer Bemühungen war Stefan schließlich zufrieden.

Nun galt es, Nerven zu bewahren und das Konzert gut über die Bühne zu bringen. Wieder waren wir willkommene Gäste in der ausverkauften Heilig Geist Kirche Telfs.

Eine besondere Freude war es mir, dass nicht nur mein Mann das Konzert besuchte, sondern auch meine Eltern aus Vorarlberg eigens dazu anreisten.

Für mich als Laienmusikerin ist es immer wieder eine Herausforderung, die Kondition aufzubringen, voll konzentriert einen ganzen Abend lang zu musizieren. Im prall gefüllten (Arbeits-) Alltag kommt das Üben immer wieder zu kurz und so bleibt ein abendfüllendes Programm die Ausnahme.

Wie jedes Konzert hatte auch jenes am 24. Juni 2012 seine Stärken und Schwächen. Höhepunkt für mich war sicherlich die 1. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Die allgemeine Aufregung mag ihren Teil dazu beigetragen haben, dass das Tempo teilweise so schnell geriet, dass ich mich fühlte wie in strengem Galopp auf einem wilden Pferd. Und gerade dieses Wilde, beinahe Unkontrollierbare, das hätte ihm gefallen, dem Schöpfer dieser wilden temperamentvollen Sinfonie, die in ihrer Zeit neue musikalische Maßstäbe setzte. Davon bin ich überzeugt.

Susanne Jäger, 11.7.2012

   
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